Altsein ist schön!

Stimmt das für Sie? Oder haben Sie bei diesem Satz Zweifel?
“Altsein ist schön!” klingt zwar weniger provokant als “Sterben ist schön!” aber auch hier regt sich Widerspruch.

Kaum jemand redet über die guten Seiten des Alterns und fast niemand freut sich darauf. Zwar möchten alle alt werden, aber scheinbar will keiner alt sein. Was sind eigentlich die Guten Seiten des Altseins?

Zuerst fallen uns die Nachteile ein.
Mit knapp über 40 Jahren begann meine Sehkraft nachzulassen. Anfangs nervte mich das furchtbar und ich hasste es, ständig Lesebrillen zu brauchen. Heute bin ich in meinen Fünfzigern und habe mich längst daran gewöhnt. Aber ich werde mich in absehbarer Zeit an weitere Verluste gewöhnen müssen. Irgendwann wird die Kraft nachlassen, sich die Sexualität verändern, die Vergesslichkeit zunehmen undsoweiter.

Habe ich also nur Verschlechterungen zu erwarten?
Wie geht es mir zur Zeit wirklich? Wie fühle ich mich, wenn ich morgens erwache? In Wahrheit ist mein Leben doch heute leichter als vor 10 oder 20 Jahren. Ich trage weniger Verantwortung und habe weniger Stress. Früher, als meine vier Kinder noch klein waren, spürte ich oft einen gewaltigen Druck. Ich wollte ein möglichst guter Vater sein, zudem ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein toller Partner für meine Geliebte sowie ein wertvolles Mitglied meiner Gemeinschaft. Und zu allem Überfluss hatte ich noch den Anspruch, dass mir das alles leicht und locker gelingen müsse.

Schon heute habe ich das Kämpfen und Siegen-Wollen weitgehend hinter mir gelassen. Bald wird das nur mehr eine ferne Erinnerung sein. Ich nehme mir mehr Zeit für das Wesentliche, genieße Ruhe und Gelassenheit, Kontemplation und erlaube mir Tagträume. Meinem Körper gönne ausgiebige Spaziergänge und immer öfter einfach unbeschränkt Zeit für meinem Lieblingssport.

Aha, wenn ich also genau schaue, geht es mir heute bedeutend besser als in manch früherer Lebensphase. Aber so wird es sicher nicht bleiben, oder? Der schleichende körperliche Verfall ist doch unausweichlich! Und wenn ich all die Verluste betrachte, die ich wohl noch erleiden werde, wie soll ich mich dann auf das Altsein freuen?

Dankbarkeit

Ich habe einfach keine Lust mehr, wie ein Kaninchen vor der Schlange zu sitzen und zitternd zu erwarten, dass etwas Unangenehmes passiert. Jeden Abend vor dem Einschlafen vergegenwärtige ich mir alles, wofür ich am abgelaufenen Tag dankbar sein kann. Auch zu Tagesbeginn vollführe ich dieses Ritual. Während früher allzu oft schon der erste Gedanke des Tages irgendwelchen Problemen galt, freue ich mich heute über einen Aspekt meines Lebens. Am Anfang braucht es ein bisschen Disziplin, den ersten Gedanken des Tages bewusst zu steuern, aber das wird schnell zur Gewohnheit. Einer wunderbar wohltuenden Gewohnheit, die meine Welt völlig verändert hat!

Hier kommt noch ein persönlicher „Trick“, der mein Leben verändert hat:
Ich stelle mir vor, dass ich – so Gott will – über 100 Jahre alt werde und hoffe, dass ich dann noch zufrieden bin. Natürlich werde ich dann schon viel klappriger sein als heute und viele Verluste erlebt haben. Aber hoffentlich bin ich dann noch einigermaßen selbstbestimmt und lebensfroh.

Und damit vergleiche nun meinen heutigen Zustand. Plötzlich ärgere ich mich nicht mehr darüber, dass ich Lesebrillen brauche, sondern bin dankbar für meine immer noch vorhandene Sehkraft! Mit Brille kann ich heute wunderbar lesen und in der Ferne sehe ich auch ohne noch recht gut! Ich betrachte meinen Körper (mitsamt seinen aktuellen Alterserscheinungen) gerne im Spiegel und bin unglaublich dankbar für alles was noch funktioniert und sich gut anfühlt.

Ich vergleiche mich einfach nicht mehr mit den Jungen und scheinbar Makellosen sondern genieße all die Geschenke des heutigen Tages. Vergleichen ist grundsätzlich keine sehr gesunde Tätigkeit, aber wenn‘s schon sein muss, vergleiche ich mich eben heute mit meiner Vorstellung von mir als Hundertjährigen.

Und schon fallen mir die tausend kleinen und großen Aspekte meines Lebens auf, für die jetzt gerade wahrhaft dankbar bin!

Das Alter ist ein Geschenk

Oft wundere ich mich, dass das allgemeine Bild vom Altsein meistens als beschwerlich gezeichnet wird. Denn es muss so nicht sein. In seinem absolut empfehlenswerten Buch „Das Alter als Geschenk“ schreibt Ruediger Dahlke dass Alterssymptome und Zeichen der Gebrechlichkeit persönliche Schattenaspekte seien, die sich über den Körper bemerkbar machen. Dahlke sieht derlei Problem eher als Wachstumschance, denn als unabwendbares Schicksal.

Viele Menschen bleiben bis ins hohe Alter weitgehend von Beschwerden verschont. Weise und selbstzufriedene Alte üben eine große Anziehungskraft auf mich aus! Oft haben sie die Masken, welche sie in jüngeren Jahren gewählt hatten, im Laufe des Alterns erfolgreich abgelegt. Sie tanzen aus der Reihe, leben authentisch und zufrieden. Sie haben die Chancen des Alterns erkannt und das innere Kind wieder an ihrem Leben beteiligt.

Markus Forster

Schon seit jungen Jahren ist Markus sehr naturverbunden und begeistert sich für Aromatherapie. 1996 wagte er den Sprung ins kalte Wasser und gründete seine eigene Firma, die anfangs nur kostbare ätherische Öle und heute vor allem reine, natürliche Hautpflege produziert. Mit der Überzeugung, nur Zutaten auf die Haut zu lassen, die auch gesund zu essen wären, stellt Ambient die wahrscheinlich konsequenteste Naturkosmetik der Welt her. In seiner Freizeit verbringt Markus so viel Zeit wie möglich in der Natur mit Kräuter sammeln, Wandern, Bergsteigen und Klettern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.